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Neue Parks als Katalysatoren

Landschaften transformieren, ohne dass sie ihr Gesicht verlieren

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Parks sind dynamische Raumgefüge, die das jeweils vorherrschende Weltbild und zeitgenössisches Lebensgefühl widerspiegeln. Sie spielen im Freiraumsystem von Metropolen und Regionen bis heute eine zentrale Rolle und werden als grüne Oasen der Erholung, als Idealbilder heiler Natur und Landschaft geliebt und geschätzt. Doch angesichts globaler wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Umbrüche gilt es, den altehrwürdigen Begriff Park neu zu interpretieren, besonders in postindustriellen Kulturlandschaften wie der Emscherzone.

Neue Kulturlandschaftstypen

Mit seinem dichten Geflecht von Infrastrukturtrassen, agrarindustriell genutzten Flächen und vielen stillgelegten, zumeist verwilderten Industriearealen widerspricht das Landschaftsbild im Ruhrgebiet auf den ersten Blick den gängigen Vorstellungen von Kulturlandschaft. Diese orientieren sich bevorzugt an arkadischen Bildern vorindustrieller Land- und Forstwirtschaft. Aber auf den zweiten Blick wird deutlich, dass im Ruhrgebiet – wie in vielen anderen Industrie-Regionen der Welt – neuartige Kulturlandschaftstypen entstehen. Deren Entwicklung wird von gravierendem Wandel im soziokulturellen Wertesystem begleitet.
Ob die neuen Kulturlandschaftstypen in der Emscherzone eine Zukunft haben, hängt davon ab, ob es gelingt, den Menschen einen emotionalen Zugang zu diesen Landschaften zu verschaffen. Denn nur wer zu seiner Lebensumwelt eine positive emotionale Bindung aufbauen kann, ist auch bereit, Verantwortung für ihre Qualität und Pflege zu übernehmen. Öffentliche Parks spielen dabei als ‚Eintrittspforten’ in neue Landschaften, als ‚Katalysatoren’ für ein neues Natur- und Landschaftsverständnis eine zentrale Rolle.

Als der Garten öffentlich wurde

Historisch betrachtet war für die Entwicklung der öffentlichen Parks die Französische Revolution von entscheidender Bedeutung. Mit wachsendem Einfluss des Bürgertums wandelte sich in Europa die Auffassung vom Park, der lange Zeit ausschließlich als Ort feudaler Repräsentation betrachtet wurde. Der Kieler Philosophieprofessor und Gartentheoretiker Christian Cay Laurenz Hirschfeld verbreitete die neuen Ideen vom nutzbaren Volkspark und propagierte bereits 1785 in seiner „Theorie der Gartenkunst“ die Anlage von Volksgärten:
„Diese Volksgärten sind [...> als ein wichtiges Bedürfniss des Stadtbewohners zu betrachten. Denn sie erquicken ihn nicht allein nach der Mühe des Tages mit anmuthigen Bildern und Empfindungen; sie ziehen ihn auch, indem sie ihn auf die Schauplätze der Natur locken, unmerklich von den unedlen und kostbaren Arten der städtischen Zeitverkürzungen ab, und gewöhnen ihn allmählig an das wohlfeile Vergnügen, an die sanftere Geselligkeit an ein gesprächiges und umgängliches Wesen. [...> Alle gelangen hier ungehindert zu ihrem Rechte, sich an der Natur zu freuen“ (Hirschfeld 2990, S. 193).
Dieses Programm im Sinne des aufgeklärten Bürgertums blieb nahezu unverändert das Leitbild bis weit über das Ende des 19. Jahrhunderts hinaus. Von öffentlicher Benutzung des Parks im heutigen Sinne war damals natürlich noch nicht die Rede.
200 Jahre später, anlässlich der Jubiläums-Feierlichkeiten im Englischen Garten in München 1989 zählte man in 14 Tagen drei Millionen Besucher. Warum der 370 Hektar große Volkspark noch immer zu den beliebtesten Parkanlagen Deutschlands zählt, liegt auf der Hand. Er präsentiert sich mit seinen weitläufigen Wiesenflächen, den malerisch gesetzten Baumgruppen, Hainen, Seen und Bächen entlang großzügiger Wege und inszenierter Durchblicke als perfekte bukolische Landschaft.
An diesem Idealbild orientierten sich nicht nur nachweislich die Gestalter des New Yorker Central Parks, geschaffen im 19. Jahrhundert von Frederick Law Olmsted im landschaftlichen Stil. Auch heutige Parks werden in der Öffentlichkeit immer wieder an der Ästhetik dieser klassischen Vorbilder des 18. Jahrhunderts gemessen. Für die Besucher von Heute spielen natürlich auch die freie Nutzbarkeit und die Erholung in der Natur mitten in der Stadt eine wichtige Rolle. Nach der Gründung des Englischen Gartens bedurfte es aber vieler gartenreformatorischer Ansätze, bis nach anderthalb Jahrhunderten die völlig freie Nutzung der Rasenflächen in den Stadtparks tatsächlich gestattet war. Noch Anfang der 1970er Jahre hieß es im Englischen Garten in München „Betreten des Rasens verboten“, und Parkwächter sorgten für die Einhaltung dieses Verbotes, bis sich Studenten- und Bürgerinitiativen für die uneingeschränkte Nutzbarkeit der Flächen engagierten.

Inwertsetzung von Industrie-Brachen

Nicht nur in Europa setzte der Strukturwandel in den Industrieregionen immer mehr Brachflächen frei, die nach neuen Gestaltungskonzepten verlangten. Einige richtungsweisende Parkanlagen entstanden bereits in den 70er Jahren, so etwa der Gas Works Park in Seattle, entworfen und realisiert von dem amerikanischen Landschaftsarchitekten Richard Haag ab 1970. Der neun Hektar große Freizeitpark gilt bis heute als erster gelungener Versuch, Industrierelikte bewusst in die Gestaltung eines klassischen Stadtparks mit einzubeziehen, doch Haag orientierte sich gestalterisch noch immer stark an Olmsteds Central Park. In den 1980er Jahren verstärkte sich der Trend zu Parkanlagen auf stillgelegten Industrie- und Gewerbeflächen, und die Suche nach neuen Entwurfsansätzen wurde intensiviert, denn die richtige Strategie zur Inwertsetzung ehemaliger Industrielandschaften schien noch nicht gefunden. Die umgestalteten Industriequartiere in englischen Städten wie Manchester oder Sheffield, die Hafeninsel in Saarbrücken von Peter Latz und Partner von 1982, der Pariser Parc de la Villette von Bernard Tschumi aus dem Jahr 1983 oder der Parc del Clot in Barcelona von Dani Freixes und Vicente Miranda von 1985 gelten als wichtige Marksteine auf dem Weg zu neuen Parkgestaltungen, doch erst im Zuge der IBA Emscher Park wurden Lösungsansätze für die Konversion ganzer Industrieregionen entwickelt, die weltweite Anerkennung fanden.
„When Olmsted designed Central Park with Calvert Vaux in the mid-19th century, he intended ‚the spaciousness and tranquillity of a charming bit of rural landscape’ to afford ‚the most agreeable contrast to the confinement, bustle and monotonous streetdivision of the city.’ Refreshment is still what a park promises, but the contrast no longer lies between greenery and cement“, schrieb der Journalist Arthur Lubow 2004 in „The New York Times Magazine“.
Lubow hatte den Landschaftspark Duisburg-Nord vor Augen als er den Landschaftsarchitekten Peter Latz wegen seiner Rebellion gegen die stereotype Reproduktion überkommener Natur- und Landschaftsbilder als „The Anti-Olmsted“ bezeichnete, und er attestierte dem 230 Hektar großen Park im Ruhrgebiet internationalen Vorbildcharakter. Tatsächlich lässt sich an diesem Park besonders anschaulich nachvollziehen, was es bedeutet, das Gesicht einer industriell geprägten Landschaft zu verändern, ohne dass sie ihr Gesicht verlieren muss.

Lernen von Duisburg-Nord

Hätte sich der Landschaftsarchitekt 1989 bei der Umgestaltung des ehemaligen Hüttengeländes Duisburg-Meiderich streng an die gängigen Idealvorstellungen des 18. Jahrhunderts gehalten, wäre die spurlose Beseitigung aller historischer Relikte industrieller Nutzung und die totale Verlandschaftlichung nach altem englischem Vorbild wohl unvermeidbar gewesen. Ein vollständiger Rückbau der Industrielandschaft Duisburg-Nord hätte nicht nur zum Identitätsverlust des Ortes, sondern auch zur Zerstörung ökologisch wertvoller Lebensbereiche geführt, denn im Laufe der Jahrzehnte hat sich eine einzigartige Industrienatur entwickelt, deren Überleben nur auf extremen Standorten gesichert ist. Mehr als 200 nicht-heimische Arten, die mit Zuschlagstoffen aus Übersee einreisten, wurden in Duisburg-Nord kartiert, fanden dort ihre neue Heimat und schufen eigene Lebensräume.
Wenn heute also die „Renaturierung“ industrieller Landschaften angestrebt wird, sollte zunächst danach gefragt werden, welche Natur man eigentlich wiederherstellen möchte und ob man nicht mit aufwändigen Renaturierungsmaßnahmen wertvolle Lebensbereiche unbeabsichtigt zerstört, nur weil sie nicht den gängigen Idealvorstellung von Natur entsprechen. Durch gezielte landschaftsarchitektonische Eingriffe wurden in Duisburg-Nord die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Parkbesucher ein neues, differenzierteres Naturverständnis entwickeln können. Der Klarwasser-Kanal, in dem 80 bis 100 Prozent des Oberflächenwassers gesammelt wird, entspricht zwar nicht dem Bild eines natürlich mäandrierenden Flusses, ist aber als Lebensraum für Flora und Fauna von hohem ökologischen Wert.

Der Park als „Kulturfolger“

Fragen nach einem fortschrittlichen Verhältnis zwischen Ökologie und Ästhetik stellen sich auch beim Vergleich zwischen spontan aufgewachsenem Industriewald und pflegeaufwändigem Parkwald. Wenn neue Parks im Ruhrgebiet tatsächlich als „Katalysatoren“ für ein neues Natur- und Landschaftsverständnis wirksam werden sollen, dann darf man – um den ehemaligen Geschäftsführer der IBA Emscher Park Karl Ganser zu zitieren – „keine ‚Gartenschau’ im Kopf“ haben. Landschaftsarchitekten wie Peter Latz empfinden sich keineswegs als Nostalgiker, sondern – wie es die Zürcher Kunsthistorikerin Irma Noseda einmal treffend nannte – als „Kulturfolger“, für die die gestalterische Integration der vorhandenen Industrierelikte und Spontanvegetation entscheidend ist.
Neue Parks orientieren sich hinsichtlich der Nutzungsmöglichkeiten ganz bewusst an der fortschrittlichen Programmatik der Volksparks der 1920er Jahre und werden als ganztägig geöffnete, für alle Menschen frei bespiel- und nutzbare Feiräume geplant, aber die neuen Gesichter der Parks stoßen nicht immer sofort auf Begeisterung.
Zu den Nachnutzungsprojekten, deren Konzeption anfangs keine öffentliche Zustimmung fand, zählt der zwischen 1999 und 2001 von den Landschaftsarchitekten Zulauf, Seippel und Schweingruber realisierte, zwei Hektar große Oerliker Park bei Zürich. Auf vergifteten Industrieböden, die nicht entsorgt werden konnten, sondern mit einer Asphaltdecke abgedichtet wurden, muss der kleine Park wie auf einem Tablett überleben. Noch bevor das umgebende Stadtquartier entstand, wurden statt teurer Großbäume 800 junge Bäumchen, Eschen aus Baumschulen in der Schweiz, den Niederlanden, Italien und Deutschland gepflanzt. Sie sollten sich im Laufe der Zeit zu einer grünen Baumhalle entwickeln. 200 Amberbäume, Schwarzbirken, Vogelkirschen und Blauglockenbäume waren als blühende Akzente gedacht.
Schneller als erwartet wuchs um den neuen Park die Stadt, und wohlwollende Kommentatoren charakterisierten den Quartierpark als „spröde“. All jene aber, die von einem Stadtpark malerische Baumgruppen auf Rasenteppich erwarteten, bezeichneten den Oerliker Park als Zumutung. Aufgereiht wie in einer Baumschule standen 1000 Bäumchen auf der Kiesfläche und spendeten anfangs kaum Schatten. Auf den Plänen der Landschaftsarchitekten sah Wohnen am Park ganz anders aus: Computergenerierte Bilder versprachen grünen Genuss, und die Einlösung dieses verführerischen Versprechens hatten sich die Parkanwohner viel schneller erhofft. Warum auch nicht; schließlich lebt ein ganzer Zweig der Gartenindustrie vom Verkauf lieferfertiger Naturbilder, „Instant-Grün“ mit Anwachsgarantie, das um so häufiger nachgefragt wird, je perfekter die Computersimulationen der Planer werden.

Parks in permanentem Wandel

Zehn Jahre nach seiner Fertigstellung entfaltet der Oerliker Park den versprochenen grünen Charme und wird von den Anwohnern lebhaft genutzt. In der Realität lässt sich nun mal das ideale Garten- und Landschaftsbild, sofern es überhaupt jemals wie geplant zustande kommt, weder per Mausklick erzeugen noch anschließend auf ewig konservieren, denn die einzige dauerhafte Eigenschaft der Natur ist ihr permanenter Wandel, sind Wachstum und Vergänglichkeit, und das gilt ganz besonders in ehemaligen Industrielandschaften.
Hier sind nicht nur viel Geduld sondern auch profundes technisches Know-how und besonders viel Phantasie gefordert, wenn man Industriebrachen in neue, lebenswerte Landschaften verwandeln will.

Autor: Prof. Dr. Udo Weilacher lehrt und forscht an der Fakultät für Architektur der Technischen Universität München im Bereich Landschaftsarchitektur und industrielle Landschaft. Er studierte in München und Los Angeles, promovierte an der ETH Zürich und war bis 2009 Professor für Landschaftsarchitektur und Entwerfen an der Leibniz Universität Hannover.
www.lai.ar.tum.de

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Im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Robert Kirberich (CC)

Der Emscher Landschaftspark

Der Landschaftspark Duisburg-Nord mit seinen gewaltigen Hochöfen, der Bochumer Westpark im Schatten der Jahrhunderthalle, das Weltkulturerbe Zeche Zollverein in Essen oder der von Emscher und Rhein-Herne-Kanal geprägte Nordsternpark in Gelsenkirchen zählen zu den bekanntesten Teilräumen des Emscher Landschaftsparks. Dieser besteht aus noch vielen weiteren attraktiven Orten, die Geschichte und Gegenwart, Industrie und Natur auf faszinierende Art und Weise miteineinander verbinden.
Schon mit der Gründung der Vorläufer des Regionalverbandes Ruhr (RVR) im Jahre 1920 wurde begonnen, im eng besiedelten Ruhrgebiet Freiflächen zu schaffen und bestehende Freiflächen zu sichern. Ursprüngliches Ziel hierbei war es, die Lebensqualität und damit nicht zuletzt auch die Arbeitsproduktivität der Menschen zu steigern. In den 1920er Jahren entstanden erstmals kombinierte Freizeiteinrichtungen mit Parks, Badeanlagen und Veranstaltungszentren. In dieser Tradition steht auch der Emscher Landschaftspark, dessen Konzept während der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher Pak zwischen 1989 und 1999 entwickelt wurde. 20 Städte der Metropole Ruhr, zwei Landkreise, die Bezirksregierungen, das Land NRW, die Emschergenossenschaft, der Lippeverband und der RVR sind an dem regionalen Koopeartionsprojekt beteiligt, das seit 2004 unter Trägerschaft des RVR steht. Wo früher Schwerindustrie beheimatet war, ist nun Raum für zahlreiche Kunst- und Kulturprojekte. Der Emscher Landschaftspark schafft die Bühne für ein Schauspiel, das nicht allein aufgrund seiner Größe - über 200 realisierte Projekte auf rund 450 km2 quer durch das Ruhrgebiet – imposant erscheint. Er steht als Symbol für Strukturwandel und nachhaltiges Handeln. Dies zeigt sich auch in der Verkehrsinfrastruktur: Die Highlights werden über den Emscher Park Radweg und den Emscher-Weg attraktiv miteinander verbunden.

www.metropoleruhr.de


Der Gelsenkirchener Nordsternpark ist Teil des Emscher Landschaftsparks. Foto: Uwe M. Aster (CC)

Central Park

Der Central Park in New York City gehört zu den größten künstlich angelegten Parkanlagen der Welt. Bereits 1848 hatte der Landschaftsgestalter Andrew Jackson Downing die Idee, ein großes Erholungsgebiet für die Einwohner New Yorks zu schaffen, damit diese sich auch innerhalb ihrer Stadt an ihren Arbeitstagen erholen könnten. Es gab viele Konferenzen und Ausschreibungen für die Gestaltung des Central Parks. Die Bauarbeiten begannen 1858. Im Rahmen der Gestaltung der Parkanlage wurde ein Zoologischer Garten eingerichtet und das Metropolitan Museum of Art errichtete seinen Platz im Inneren des Parks. Die Straßen, die durch den Park hindurch führen, werden an den Wochenenden für Autos gesperrt, so dass Jogger, Radfahrer, Inline Skater und Skate Boarder die Möglichkeit haben, dort zu trainieren. Christo und Jeanne Claude haben im Central Park ihr Projekt „The Gates“ nach mehreren Jahrzehnten Vorbereitungszeit im Februar des Jahres 2005 realisiert. Im Central Park finden auch große Open-Air-Konzerte und andere Veranstaltungen statt.


„The Gates“ im Central Park. Foto: Dannys Hammontree (CC)

„Freizeitareal“ im Schatten der Ruhr-Universität. Foto: Dominik Peters © studio b media GmbH

Ungeplante Freiräume

Gutes Beispiel für die natürliche Entstehung von Freiräumen ist der Biomedizinpark in Bochum. Geplant ist hier eine Ansiedlung von naturwissenschaftlichen Forschungsgebäuden in der Nähe der Ruhr-Universität. Die nötigen Straßen waren längst verlegt, doch es fehlten die Häuserblocks. Umrandet von grüner Wiese ruhte hier jahrelang ein Spinnennetz aus Asphalt, dessen Fäden teilweise ins Nichts führten. Findige Menschen - vorwiegend Studenten – machten sich dieses Areal zu eigen. Der bisher kaum berührte Asphalt bot beste Bedingungen zum Skaten, Crossgolfer schlugen ungestört ihre Bälle, die Wiese diente als Fußballfeld oder einfach zum Relaxen – leider nur ein Vergnügen auf Zeit, denn im Frühjahr rückten die ersten Bagger an.

Industriebrache

Als Areale, die nicht mehr im Rahmen ihres ursprüngliches Zwecks genutzt werden, stellen Industriebrachen Flächen zur Verfügung, die mindestens ein Hektar (1 ha = 10.000 qm oder ca. 1,5 Fußballfelder) groß sind und die für eine Umnutzung zur Verfügung stehen. Stillgelegte Fabrikareale, Bahnbrachen oder alte Flugplätze bieten nicht selten die Möglichkeit, besondere und stilvolle urbane Lokalitäten zu schaffen. Zentrale Voraussetzung dafür ist die Anbindung oder Schaffung von Infrastruktur, wie z. B. Restaurants, Verkehrswege oder auch Kinderspielplätze. In Köln-Mülheim beispielsweise soll die etwa sechs Hektar umfassende Industriebrache der ehemaligen Gießerei „Euroforum Nord“ mit Wohnungen, Gewerbe und auch Einzelhandel besiedelt werden. Dazu wurde ein gestalterischer Wettbewerb ausgeschrieben. Eine mögliche Verdrängung des unmittelbar südlich angrenzenden „Kunstwerk“, eine Ansiedlung von Künstler-Ateliers in den ehemaligen Fabrikhallen gilt es dabei zu verhindern.

Brache sucht Nutzer. Foto: Holger Hill (CC)

Wissenswertes


Der Englische Garten in München - eine der weiträumigsten innerstädtischen Parkanlagen der Welt. Foto: Daerson Oliveira (CC)

Parks und Gehege

Das Wort Park stammt vom lateinischen Parricus = Gehege ab und bezeichnet gestaltete, grüne Areale. Sie sollen der Erholung wie auch der Verschönerung dienen und haben sich im Verlauf der letzten Jahrhunderte vielfältig entwickelt. Die Bandbreite der Gestaltungen reicht von Bürgerparks, Wildparks, Kurparks, Landschaftsparks über Nationalparks, Themenparks, Schlossparks, Sportparks und Vergnügungsparks bis hin zu Freizeitparks.

Bukolische Landschaft

Die Bukolik entstand im dritten Jahrhundert vor Christus als sizilianisch-griechisches Hirten-Epos. Hirtengedichte, welche die Arbeit und Besinnlichkeit des Hirtenlebens als idyllisches und sorgenfreies Leben verklärten, wurden dann von Vergil und später auch in der Renaissance weiter entwickelt.

Industrienatur

Industrienatur - ein Paradoxon? Zwei Begriffe, die sich über Jahrhunderte gegenseitig ausschlossen, finden nun zusammen. Die Natur erobert sich ihr Gebiet zurück, jetzt, da die Schornsteine brach liegen und die wenigen noch aktiv genutzten Industrieareale umweltfreundlicher genutzt werden können. Gerade in Gegenden, in denen die Industrie Böden und Landschaften nachhaltig verändert hat, entwickelt sich eine einzigartige „neue“ Natur, die sich an die zum Teil schwierigen Lebensbedingungen angepasst hat. Das betrifft sowohl die Pflanzenwelt, die sich langsam auf den Weg macht, verrostete Stahlgerüste zu erklimmen, als auch die Tierwelt: Dort, wo früher Kohle und Stahl produziert wurden, leistet beispielsweise die Kreuzkröte Pionierarbeit. Das Ruhrgebiet findet vielerorts wieder zu einem prä-industriellen Gleichgewicht zwischen Menschenwerk und Natur, das von Experten als schützenwert angesehen wird.

Themenroute Industrienatur

Internationale Bauausstellung

Keine Messehalle, keine Warenschau – eine Internationale Bauausstellung (IBA) ist gelebtes Marketing für ganze Regionen. In Deutschland gelten IBAs seit ihrem Beginn 1901 in Darmstadt als Mittel, um hochrangige internationale Stadtplaner und Architekten für neue Projekte zu gewinnen. Es geht um die schonende, nachhaltige Um- und Neugestaltung von Landschaften und somit auch darum, Räume für die Menschen erlebbar sowie für die Wirtschaft attraktiv zu machen. Als nach wie vor weltweit herausragendes Beispiel gilt die von 1989 bis 1999 als Zukunftsprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen angelegte IBA Emscher Park, die im Ruhrgebiet eine Epoche der industriellen Dominanz und des leichtfertigen Umgangs mit der Natur beendete und für einen Neuanfang im Zeichen des Strukturwandels steht.


Rasen betreten verboten: früher die Regel, heute die Ausnahme. Foto: Karsten Seiferlin (CC)

Literatur

Hirschfeld, Christian Cay Laurenz: Theorie der Gartenkunst. Berlin 1990


Weilacher, Udo: Syntax der Landschaft. Die Landschaftsarchitektur von Peter Latz und Partner. Basel Berlin Boston 2008.


Noseda, Irma. „Die Lektion der Kulturfolger“ in: BSLA Regionalgruppe Zürich (Hrsg.): Gute Gärten – Gestaltete Freiräume in der Region Zürich 1995.


Gaida, Wolfgang / Grothe, Helmut: Barocke Pracht, Bürgerstolz und Orte des Wandels. Gärten und Parks im Ruhrgebiet. Essen 2010.


Vidiella, Àlex Sánchez (Hrsg.): Atlas der zeitgenössischen Landschaftsarchitektur. Köln 2008.


Klettern in den Erzbunkern im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Maik Meid (CC)